Die von Physiotherapeuten/innen, Krankengymnasten/innen oder Masseuren/Masseurinnen und medizinischen Bademeister/innen ausgeübte Manuelle Lymphdrainage ist eine Therapieform, bei der mit speziellen Handgriffen der Lymphfluss gefördert wird und somit…
Die von Physiotherapeuten/innen, Krankengymnasten/innen oder Masseuren/Masseurinnen und medizinischen Bademeister/innen ausgeübte Manuelle
Lymphdrainage ist eine Therapieform, bei der mit speziellen Handgriffen der Lymphfluss gefördert wird und somit unterschiedliche Krankheitsbilder
positiv beeinflusst werden können. Die Manuelle Lymphdrainage wird meistens in Kombination mit einer Kompressionsbehandlung zur Therapie von Ödemen
angewandt, die einer medikamentösen Behandlung nicht zugänglich sind oder bei denen mit entwässernden Medikamenten allein keine befriedigende
Ödemabnahme erzielt werden kann.
Da sich die Manuelle Lymphdrainage in der Grifftechnik und in der Systematik erheblich von anderen Massagetechniken unterscheidet, erfolgt die
Erweiterung und Vertiefung der Kenntnisse und Fähigkeiten in einer speziellen Weiterbildung, die in ein Kurssystem gegliedert ist.
Die Vermittlung des Lehrinhalts erfolgt im Rahmen eines ärztlichen theoretischen Unterrichts sowie in praxisbegleitenden theoretischen und praktischen Unterrichtseinheiten.
Weiterbildungscurriculum:
Inhalt:
Das Weiterbildungscurriculum umfasst mindestens 24 Unterrichtseinheiten ärztliche Theorie und 156 Unterrichtseinheiten Praxis/praxisbegleitende Theorie.
Die zu vermittelnden Inhalte umfassen:
• Theorie, Durchführung und Übung von Grifftechniken an Gesunden
*(Fortbildungspunkte grundsätzlich unter Vorbehalt, da auf Spitzenverbandsebene bislang bundesweit keine verbindliche Einigung über die Anerkennung von Kursen getroffen wurde)
• Patientendemonstration
• Theorie und Durchführung von Kompressionsbandagierungen und Entstauungsmaßnahmen
• Indikation und Kontraindikation
Basiskurs
Lehrinhalt:
• allgemeine Anatomie und Physiologie des Blutkreislaufes
• allgemeine Anatomie der Lymphgefäße und Lymphknoten
• spezielle Anatomie der Hauptlymphgefäße sowie der Lymphsysteme der verschiedenen Körperregionen und der Haut
• Physiologie des Interstitiums, des Lymphsystems und der Lymphe
(Aufbau und Funktion des interstitiellen Bindegewebes, Physiologie des interstitiellen Stoffaustausches,Diffusion, Osmose, Kolloidosmose, Filtration, Reabsorption, aktive Zelltransporte, Blut-
kapillarpermeabilität)
• extravaskuläre Zirkulation der Bluteiweiße
• Stoff und Flüssigkeitsaustausch in der terminalen Stombach
• Straling´sches Gleichgewicht
• Physiologie des Lymphsystems
(Drainagefunktion, Lymphbildung; lymphpflichtige Substanzen, Lymphtransport, Lymphtransportkapazität Abwehr- und Filterfunktion) die Lymphflüssigkeit Chylus
• Pathophysiologie der Ödeme, Exsudat, Transsudat
• Pathophysiologie des Lymphsystems (Insuffizienzformen des LGS)
• Reaktion des Körpers auf eine Lymphostase
• lymphatische Immunschwäche
• Ödemgrade (latente und manifeste Ödeme)
• Ödemmessung und Ödemdokumentation
• Entwicklung der Manuellen Lymphdrainage
• Wirkungsmechanismen der Manuellen Lymphdrainage
Praktischer Unterricht:
• prinzipielles Vorgehen bei der Manuellen Lymphdrainage
• Grifftechniken der Manuellen Lymphdrainage
• Behandlung der einzelnen Körperpartien (Hals, Gesicht, Arme, Rücken, Lende, Brustkorb, Bauch, Beine)
• Spezialgriffe
• Bewegungstherapie in Verbindung mit Manueller Lymphdrainage
• Kompressionsbandagierungen
Die praktischen Übungen werden an den Kursteilnehmern gegenseitig geübt. Bei Bedarf erfolgen Patientenvorstellungen.
Therapiekurs
Lymphödeme:
L y m p h ö d e m d i a g n o s t i k , Lymphszintigraphie, indirekte und direkte Lymphographie, Patent-blau-Test, Stemmer´sches Zeichen, primäre Lymphödeme,
sekundäre Lymphödeme und ihre Ursachen, maligne Lymphödeme, ML und Metastasenaussaat, Ödemgefährdung und Ödemprophylaxe, Ödemmerkblätter,
Kompressionsbehandlung von Lymphödemen durch Bandagen, Bestrumpfungen und Expressionsgeräte, Operation bei Lymphödemen, Lymphödemkomplikationen wie
Erysipel, Lymphbläschen, Lymphfisteln, lymphogene Ulcera, Eiweißfibrosen, Interdigitalmykosen, Papillomatosis cutis lymphostatica, Stewart-Treves-Syndrom = Lymphangiosarkom,
Lymphödeme und Schwangerschaft, Strahlenschädigung in Verbindung mit Lymphödemen, Radioderm, Radiofibrose, Radiofibrotische Plexusschädigung, Strahlenschädigungen sonstiger
Organe, ambulante und stationäre lymphologische Behandlung und Therapieergebnisse bei Lymphödemen.
Phlebödem:
Anatomie der Venen und Pathophysiologie des venösen Systems, Thrombosen, Thrombophlebitiden, Varikosis, Ulcus cruris venosum, Kompressionsbehandlung bei
Phlebödemen, Indikation für Manuelle Lymphdrainage bei Phlebödemen und Ulcus cruris und Phleb-Lymphödem.
Artifizielles Ödem:
Ursache, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie
Traumatische Ödeme/postoperative Ödeme:
Bei Frakturen, Prellungen, Distorsionen, Zerrungen, Verrenkungen, Schmerzzuständen, postoperativen Ödemen und Hämatomen sowie Ödemen bei Verbrennungen,
Pathophysiologie und Therapie sowie weitere begleitende Therapien.
Sympathische Reflexdystrophie = Sudeck-Syndrom:
Pathophysiologie, Erscheinungsformen, Ursache, ärztliche Therapie sowie Manuelle Lymphdrainage als Zusatztherapie.
Inaktivitätsödem:
Ursachen und Pathophysiologie. Stellenwert der Manuellen Lymphdrainage.
Ödeme bei arteriellen Durchblutungsstörungen:
Pathophysiologie, Gangrän, Indikation und Grenzen für Manuelle Lymphdrainage und Kompressionstherapie.
Lipödem:
Differenzierung zwischen Adipositas, Lipohypertrophie und Kipödem, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie.
Idiopathisches Ödem:
Pathophysiologie, klinisches Bild und Therapie.
Chronisch-entzündliche Ödeme:
Rheumatische Ödeme, Pathophysiologie, Manuelle Lymphdrainage als Zusatztherapie, Ödeme bei Verbrennungen.
Kontraindikationen für ManuelleLymphdrainage, insbesondere:
Ödeme, die nur auf eine medikamentöse und diätetische Therapie ansprechen, akute Infekte, dekompensierte Herzinsuffizienz, akute Phlebothrombose, lokales Tumorrezidiv,
lokale Tumormetastasierung, akute Ekzeme im Ödemgebiet, Asthma bronchiale und Extremitätenverdickung ohne Ödem.
Verordnung von Manueller Lymphdrainage:
Verordnung von Kompressionsbandagierung und –bestrumpfung:
Unterschiedliche Kompressionsbestrumpfungen, Expressionsgeräte und Prothesen.
Psychologische Probleme der Patienten in der Krebsnachsorge:
Patientendemonstrationen:
Mindestens acht verschiedene Patienten mit Ödemkrankheiten, wobei mindestens ein primäres Lymphödem, ein sekundäres Lymphödem, ein sekundäres Beinlymphödem,
ein Phlebödem und Lipödem demonstriert werden müssen.
Mindestinhalte des ärztlichen/theoretischen Unterrichts:
Anatomische und physiologische Grundlagen der Kreislaufsysteme (arteriell, venös, lymphatisch), Ätiologie und Pathogenese der Ödeme, besonders bei malignen Erkrankungen,
Lymphödemkomplikationen, Organschäden und Ödeme nach Strahlenbehandlung, Indikationen und Kontraindikationen der Manuellen Lymphdrainage. Weitere ärztliche und nichtärztliche
Behandlungsmaßnahmen bei Lymphödemen neben der Manuellen Lymphdrainage.
*(Fortbildungspunkte grundsätzlich unter Vorbehalt, da auf Spitzenverbandsebene bislang bundesweit keine verbindliche Einigung über die Anerkennung von Kursen getroffen wurde)